Aktuelles

08.11.2014 Fragmente - eine Befreiung ist nun erstmalig gelistet unter ISBN 9 783738 608861.
Eintragung bei Amazon und Co. erfolgt Anfang der nächsten Woche.
Die Printversion ist bestellbar ab voraussichtlich 17.11.
Das eBook erscheint vorraussichtlich am 28.11.
Vorbestellungen werden ab sofort entgegengenommen, siehe im Menüpunkt "Vorbestellungen".

13.11. Nun auch hier: https://www.bod.de/buch/eric-pade/fragmente/9783738608861.html

Samstag, 8. November 2014

Fragmente. Eine Bemerkung.

In "Fragmente - eine Befreiung" wird eine Leidensgeschichte erzählt, wie sie in ihrer Abartigkeit nur in einem psychiatrischen Umfeld stattfinden kann. Das Buch ist aus einer radikal subjektiven Perspektive geschrieben, was verständlicherweise zu Momenten der Identifikation einlädt. Der Autor betrachtet dies als ein Qualitätsmerkmal, muss jedoch darauf bestehen, nicht mit dem "Verfasser" (Erzähler) ineinsgesetzt zu werden.
Diese radikale Subjektivität bringt Perspektivwechsel und Verzerrungen mit sich, die das grundlegende Problem des menschlichen Miteinander berühren, seine Eigenheit, seinen eigenen Bereich vor dem Zugriff von Kontrollinstanzen zu bewahren. Diese Kontrollinstanzen können uns in der üblichen Form begegnen, in Form eines menschlichen Mit-, Gegen- und Hintenrumeinander. In den "Fragmenten" wird diese Beziehungsform besonders durch die Tendenz zur Subversion beeinflusst. In einem Umfeld wie einem psychiatrischen ist es anscheinend zwingend erforderlich, nicht nur seine Karten bedeckt zu halten. Insbesondere sogenannten und selbsternannten Leuten "vom Fach" gegenüber, die sich subtile Machtstrategien angeeignet haben, scheint es erforderlich zu sein, weiter zu gehen als das. Man muss sich permanent selbst verleumden, man muss sozusagen permanent in eine Rolle schlüpfen.
Ein wesentliches Mittel zur Erlangung der Kontrolle ist die Vermeidung der direkten Konfrontation. Indem man dem Konflikt ausweicht, kann man weiterhin sein Machtpotenzial einfach einsetzen, ohne sich in einer Verhandlungssituation mit den Betroffenen auseinandersetzen zu müssen. Die Möglichkeit zu gebrauchen, jemandem die Informationen zu entziehen, ihn zu bestrafen und die Kommunikation zu verweigern ist nichts anderes als Missbrauch.
Solche Dinge passieren täglich in solchen Anstalten aus einer angeblichen "Sachlogik" heraus, die von einer "Pädagogik der natürlichen Folgen" inspiriert ist. Es wird eine Pädagogik angewandt, die unheimlich gefährlich ist, da sie die natürliche Person in einen Automaten verwandeln kann, der als gnadenloser und willkürlicher Apparatschik nur noch "interesselos" herrscht und die Natur manipuliert, um seinen Willen durchzusetzen. Dabei wird unterstellt, dass das Objekt der Pädagogik nicht "bestraft" werden soll, sondern dass sich die Folgen ganz von selbst ergeben müssen. Und wenn die Natur einmal nicht so schön und folgerichtig straft, wie man sich das wünscht, dann hilft man dieser Natur eben ein bisschen auf die Sprünge und spielt Gott. Schummeln ist eben auch erlaubt, im Namen des Guten, versteht sich.
Es kann nur gehofft werden, dass diese Art der "Pädagogik der natürlichen Folgen" in ihren Entartungen bald als das erkannt wird, was sie ist, nämlich ein Totalitarismus, der Allmachtsphantasien Tür und Tor öffnet. In der Realität kann sie jedenfalls ohne ein hinreichend ausgeprägtes System von "checks and balances" nicht bestehen. So ein Scheitern der Institutionen wird in den "Fragmenten" aufgezeigt, in denen eine Einzelperson mit diktatorischen Vollmachten gemäß dieser Logik der natürlichen Folgen nach Belieben schaltet und waltet.
Einen solchen System ausgeliefert zu sein wirft das Problem nach der "Freiheit" auf und wie man sie gegen diese Art der Kontrollgewinnung erreicht. Es erscheint für einen Außenstehenden einfach, jemandem zu sagen: "Opfere dies, opfere jenes, dann kriegst du, was du wolltest." Konzessionen dieser Art bestimmen unseren Alltag. Sie sind bis zu einem bestimmten Maße gut und nützlich, schlichten Pragmatismus, "Einsicht in die Notwendigkeit", vorausgesetzt. Ab einem gewissen Ausmaß jedoch werden sie zerstörerisch und haben nichts mehr mit Naturnotwendigkeit, sondern mit Machtausübung zu tun. Eine solche Unterwerfung kann dann nicht mehr geleistet werden, ohne sich selbst als Person zu negieren und damit psychisch auf Dauer zu zersetzen. Eine solche Zersetzung kann jedoch nur aus der Innensicht, wie sie in den "Fragmenten" versucht wird, wirklich nachvollziehbar gemacht werden.
 Durch diese von außen herangetragene Perspektivverzerrung wird indirekt unterstellt, dass die Machtinstanz nicht als solche kritisiert und in ihrem Anspruch beschnitten werden kann. Das ist oft der Fall, aus der Perspektive der Abhängigkeit. Es zeigt aber auch eine allgemeine Überzeugung auf, der zufolge übergeordnete Kontrollinstanzen generell versagen oder sich aus scheinbar übergeordneten Erwägungen ihrer Aufgabe enthalten. In einem solchen Umfeld wird dann alles möglich, jede Schweinerei, jede Beliebigkeit, da die Kontrollebene durch Untätigkeit sich mit der entarteten Ausgestaltung von Kompetenzbereichen verschwistert und jederzeit, um die eigene Haut zu retten, mit Nachdruck Partei für die eigentlich von ihr zu zähmende Autorität ergreifen wird.
Was in einem solchen Umfeld konkret möglich wird und was es mit den Leuten anstellt, die dem aufgrund eines institutionellen Versagens ausgeliefert werden, eine Grauzone, in der selbsternannte Gurus frei operieren können, zeigen die "Fragmente" exemplarisch anhand eines "Einzelschicksals" auf. Es darf gefragt werden, ob der einzelne in einer 80 Millionen AG überhaupt noch etwas zählt, wo uns doch täglich das verlogene Prinzip vorgehalten wird, wir lebten in einer Gesellschaft, die das individuelle Dasein als hohes und höchstes Gut erachtet.